Strichliste

von Sven

Hier geht es zum vierten Teil der Reihe.
Das Blatt war gut beschrieben, Versicherungen, Vermieter, Verwandschaft, Telekomanbieter, ich weiß nicht mehr genau, wer da im einzelnen einen Platz auf meiner Kuhhaut hatte. Es ist auch gar nicht so wichtig, einzig auf eines bin ich nachhaltig Stolz: keinerlei Versandhaus oder Teleshoppinganbieter war darauf vermerkt. Ich hatte die Übersicht verloren und bin nicht in einen Konsumrausch verfallen.
Aus dem unübersichtlichem Stapel wurde ein einfach zu handhabendes Stück Papier. Was ich damit machen musste war ganz einfach: Alle Schulden die sich erledigt hatten durchstreichen. Mehr nicht.
Also habe ich gleich damit angefangen. Ich ging die Schreiben der Inkassofirmen durch und strich gleich die Gläubiger, deren Forderungen sie übernommen hatten. Inkassofirmen sind nichts schönes, und es ist immer besser, mit ihnen nichts zu tun zu haben, aber in diesem Fall hatten sie natürlich auch etwas gutes: ich konnte sofort einige Einträge von meiner Schuldenliste streichen. Ein erster, sofortiger Erfolg. Das motiviert.
Nun hatte ich alle Kontaktdaten meiner übrig gebliebenen Gläubiger, wusste, wem ich Geld schuldete, wie viele Gläubiger ich hatte, fehlte nur noch die Summe meiner Schulden.

Da ich mich aber nicht mit den ganzen Papieren abmühen wollte, ich auch nicht wusste, ob nicht noch neue Forderungen unterwegs war oder der aktuellste Schrieb vielleicht doch noch irgendwo in der Wohnung rumflog, rief ich jeden einzelnen an.
Da ich alle nötigen Infos schon direkt zur Hand hatte, brauchte ich für die Telefonate gar nicht viel Zeit. Freundlich begrüßte ich meine Gesprächspartner, sagte, wer ich bin und das ich Ausstände bei ihnen hätte. Da ich den Überblick verloren habe, würde ich gerne von ihnen wissen, wie hoch der Ausstand nun genau sei. Und wer freundlich fragt, der bekommt auch schnell Auskunft, vor allem, wenn man alle wichtigen Daten parat hat.
Nachdem ich hinter jeden Eintrag eine Summe schreiben konnte, war ich in der Lage, Kassensturz zu machen, das heißt, ich wusste genau, wie hoch meine Schulden bei jedem waren und ich wusste, wie hoch sie insgesamt waren. Auf einen Blick. Das erste Gefühl von Übersicht machte sich breit, und das tut wirklich gut.

Unter meinen Gläubigern war auch einer, den ich unbedingt als letzten anrufen wollte: meine Bank. Ich musste von ihr nicht wissen, wie hoch meine Ausstände waren, das konnte ich direkt auf meinem Konto sehen. Ein Dispokredit und ein Autokredit, die Summen weiß ich nicht mehr, das ganze ist neun Jahre her, insgesamt beliefen sich meine Schulden auf irgendwas zwischen zwei- und dreitausend Euro. Bei der Bank aber brauchte ich schnellstmöglich einen Termin. Denn um noch mehr Gläubiger von meiner Liste streichen zu können, brauchte ich dringend Geld.
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