Obstsalat

mit oder ohne Sahne?

Kategorie: Geschichten

Die Todlosen

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Jene
die harren
und warten
In Furcht
Verzweiflung 
reglos
stumm und begraben
bedeckt von Staub
und Tuch
jene
sind schon tot.

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Die Schatten ziehen auf

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Die Stadt, sie liegt im Glanze da,
Mit weißen, güldnen Fahnen,
und Kinderlachen trägt der Wind,
durch alle ihre Gassen.

Ein feiner Duft von Blumenklang,
weht auf sie hernieder,
Lebensquell sprudelt in ihr,
Honigvolk fliegt seine Lieder.

Der Dächer Glanz in ruhiger Luft,
Sommer kommt und verweilt,
Turmstadt liegt in Frieden.

Und tief in ihrem Innren,
dort, wo liegt Geheimniss verborgen,
ein kleiner Spross entspringt und wächst,
will sie nun verdorren.

Er nagt und beißt und kratzt und sticht,
ganz leise in den Schatten,
wütet sich durch ihren Leib,
entlang der dunklen Gassen.

Es frißt und giert und spottet Hohn,
alter Stein, von Krallen, scharf, gespalten,
Schindeln fallen lautlos Stil,
Wie Vogelkleid, hinab.

Das ungewollte Kind
„Er, der frißt!“
Der dunkle Leib
falsches Herz

Kralle-rastlos
Zahn-nagend
Blutgier-Wahnsinn

Und aus dem Tor mit Silberflügeln,
schreitet sie, die Herrin in samten grau,
erhobenen Hauptes, Aug in Aug
mit dem Schatten.

„Gehe nun, hinfort mit Dir,
Du, ganz ohne Namen!
Dein ist nicht dieses Reich,
besitzt keine Macht hier!
Namenlos sollst Du bleiben,
kein Gewand mag Dich zieren,
Verbannt und Vergessen seiest Du,
gejagt und gerichtet, mit all meiner Kraft!
Mein Heer zählt Legionen, kalt ist ihr Stahl und Wild ihre Herzen,
unbezwingbar Ihr Schildarm, und furchtlos Iht Geist.
Hinfort mit Dir, Scheusal meines Leibes,
hinfort
hinfort…“

Und als sie taumelte und drohte, zu Boden zu stürzen, griffen hundert Hände nach ihr.
Und ihr Kleid berührte nie den Boden.

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Das Totenland

Aus toten Fenstern starren,
blinde Augen, hinaus zu mir,
mit Leichentuch verhangen,
von staubbedeckten Bänken.

Herr über Leichen,
haust in schwarzem Haus,
wo sich fahle Gänge winden,
und Licht schaut nicht heraus,
wo Staub bedeckt die Ebne,
und Moder weht umher,
wo eingefallne Wachen,
stehen auf der Wehr.

Grabtuch heißt Ihr Mantel,
doch frieren sie nicht mehr,
Schwarze Klinge in alter Hand,
kein Glanz ist mehr in ihr,
Verdorrt ist längst der Harnisch,
und Matt ist auch der Schild,
Kein Ruf kein Wort kein Atemzug,
aus ihren Mündern quillt.

So stehen sie und warten,
Reglos,
stumm und still,
achtsam,
und lauernd.

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Der Mann und die Dämonen


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Einmal ging ein Mann auf einen Berg. In der Umgebung war dieser Berg bekannt als „Thron der Dämonen“, denn diese grässlichen Wesen herrschten hier. Der Aufstieg war steinig und beschwerlich, und nur all zu oft war er gewillt, aufzugeben und zurück ins Dorf zu gehen. Und jedes mal, wenn sein Wille zu brechen drohte, hielt er inne, legte einen Teil seines Rüstzeuges ab und fasste den Willen weiter zu gehen. Als er nach langem Aufstieg den Gipfel erreichte, setzte er sich auf einen Stein und schaute über das Land. Unbewaffnet und ohne Rüstung saß er dort, drei Tage lang, und erwartete die Dämonen.

Am ersten Tag kam eine hagere, in Lumpen gehüllte Gestalt auf ihn zu und setzte sich neben ihn.

„Was sitzt Du hier so ganz alleine“, sprach sie mit zitternder Stimme. „Von allen Freunden verlassen, ohne Hoffnung auf bessere Tage? Ganz mit Dir allein sitzt Du hier und weiяt nicht, wer Dein Freund ist. Sie alle haben Dich alleine gelassen“, sagte die Gestalt und deutete ins Tal hinunter zum Dorf, aus dem der Mann stammte. „Warum hat Dich niemand auf Deiner Reise begleitet? Was hast Du falsch gemacht, dass sie sich so von Dir abwenden?“

Während die Gestalt so sprach, schwieg der Mann, doch in seinem Herzen machte sich die Einsamkeit breit und Selbstzweifel nagten an ihm.

„Du hast sie alle enttäuscht, und jetzt schauen sie auf Dich herab. Spürst Du nicht auch, dass Ihre Zeit zu wertvoll für Dich ist?“

Doch als der Selbstzweifel sein Herz zerfresen hatte, sich in sein innerstes gefressen hatte, da schaute der Mann auf und sagte zu dem Dämon: „Jetzt kenne ich Dich, ich weiя wie Du aussiehst, wie Du Dich anfühlst, ich kenne Deinen Namen und Du hast fortan keine Macht mehr über mich.“, und die Gestalt war verschwunden und mit ihr all der Selbstzweifel.

Am zweiten Tag kam ein kleiner, flinker Geselle des Weges, huschte hierhin und dorthin, schaute sich eilig um und setzte sich neben den Mann.

„Sag, was sitzt Du hier, in aller Seelenruhe und machst Rast an diesem trostlosen Ort? Warum reist Du nicht weiter? Hier und dorthin, wo kцnnten Dich Deine Füße überall hintragen, welch unbekannte Orte könnten Deine Augen erblicken? Was könntest Du nicht alles wertvolles mit Deiner Zeit anfangen, neue Dinge schaffen, und Taten vollbringen? Warum schaust Du nur auf das Dorf hinab? Gibt es dort nicht genug zu tun für Dich?“

Als er so sprach, da machte sich Unruhe in dem Herzen des Mannes breit, und er war drauf und dran aufzuspringen und hier- und dorthin zu ziehen, dies und jenes zu tun.

„Bist Du so selbstzufrieden mit dem, was Du bisher vollbracht hast, das Du Deine Knochen hier auf diesem Stein, auf diesem Gipfel niederlässt und Dich des Müßigganges schuldig machst?“

Doch als der Geselle so sprach, und der Mann so unruhig wurde, das seine Füße und sein Herz zitterten, da wurde er ganz ruhig, atmete tief ein und sprach „Jetzt kenne ich Dich, ich weiя wie Du aussiehst, wie Du Dich anfühlst, ich kenne Deinen Namen und Du hast fortan keine Macht mehr über mich.“, und die Gestalt war verschwunden und mit ihr all die Unruhe.

Am dritten Tag, da kam ein gewaltiger Riese des Weges, schnaubend und das Gesicht rot vor Wut. Er stellte sich vor den Mann und schrie ihn an. „Was sitzt Du hier rum, die Hände in den Schoß gelegt, ohne Waffen und Rüstung, wo Du Dich wappnen solltest? Deinen Wanderstab solltest Du gegen ein Schwert eintauschen und Dich aufmachen, all jene zu richten, die Dir Unrecht getan haben. Siehst Du sie nicht, all die Menschen dort unten im Dorfe, die über Dich gelacht haben, die Dich erniedrigt und gedemütigt haben? All diese hinterhältigen Menschen?“

Als der Riese so schrie, da wurde der Mann ganz wütend und seine Miene verdunkelte sich.

„Warum gehst Du nicht hinab und richtest sie? Bespuckt haben sie dich, Dein ganzes Leben so unerträglich gemacht, dass Deine Tränen nicht mehr ausgereicht haben, um Deine stummen Schreie hinaus in die Welt zu tragen!“

Und wie der Riese so schrie, da entflammte das Herz des Mannes, und als es von Hass verzehrt war, da wurde er ganz ruhig, atmete tief ein und sprach „Jetzt kenne ich Dich, ich weiß wie Du aussiehst, wie Du Dich anfühlst, ich kenne Deinen Namen und Du hast fortan keine Macht mehr über mich.“, und die Gestalt war verschwunden und mit ihr all die Wut und der Hass.

Am vierten Tag, da stand er nun auf und wanderte ins Dorf hinunter. Leichten Schrittes, ohne Eile ging er, und einem jeden, dem er begegnete, war es, als ob er eine Ruhe in sich inne trug, die man spüren konnte. Von Zeit zu Zeit jedoch stieg er hinauf zum Gipfel des Berges, denn seine Dämonen konnte er nicht auf Dauer besiegen. Doch jedes mal fiel ihm der Aufstieg leichter.